Samsung bada aus Entwicklersicht
Wie sich das erste bada Handy – das Samsung Wave – im Praxiseinsatz schlägt, habe ich bereits hier ausgeführt.
Doch schon seit etlicher Zeit schreibe ich auch gerne mal eine kleine Anwendung für mein Handy. Sei es eine kleine Steuerung für mein MediaCenter oder eine Anzeige für meinen mobilen Schießstand (mal sehen, ob dieses Projekt jemals “reift” und hier vorgestellt wird).
Zugegeben: meine C++ Fertigkeiten waren etwas eingerostet, aber warum nicht ein gutes altes Buch (Nitty Gritty C++ von Till Jeske) zur Hand nehmen und das Wissen auffrischen. Gesagt, getan. Auf mich, der in letzter Zeit überwiegend mit Java und Skriptsprachen zu tun hatte, wirken zwar viele Konzepte mittelalterlich, aber die Geschwindigkeit und der Speicherverbrauch überzeugen.
Als erstes Projekt war eine kleine Geocaching Anwendung geplant, die folgende vier Basisfunktionen bereitstellen soll:
- XML-Import der Wegpunktdatei
- Kartenansicht mit eigener Position + Geocaches in der Nähe
- Details (Text) zu einem Geocache
- Navigationsmodus (Kompass und Entfernung zum Ziel)
Also keine wirkliche “Rocketscience”-App…
Versuch 1: Als Widget
Beim Wave sind Widgets fast die besseren Programme, denn sie laufen auch im Hintergrund und sind schneller zu erreichen. Zusätzlich gibt es hier keine Zwangsbindung an Samsungs App-Store (dazu nachher mehr). Stattdessen gibt es ein Eclipse-Plugin (Mobile Widget SDK) zum schnellen Entwickeln samt Emulator und selbst die BONDI-API wurde nicht vergessen. Sie erlaubt Zugriffe auf Systemfunktionen (Position, Kompass, lokales Dateisystem) per JavaScript.
Klingt doch alles super! Warum ich euch hier kein Widget zur Verfügung stelle? Deshalb:
- im Emulator funktioniert immer alles, auf dem Wave nichts
- es gibt kein On-Device-Debugging, man sieht also nicht, was wirklich schief läuft
- meine App (aus BONDI-Beispielcode zusammen gesetzt) funktioniert nicht auf dem Wave
- die beim SDK mitgelieferten Programmbeispiele (Geolocation) funktionieren nicht
- der im Samsung Innovators Forum bereitgestellte Code funktioniert ebenfalls nicht
- und selbst wenn es funktionieren würde: ein Bug rundet die Koordinaten derzeit sowieso auf Integer-Werte
- der Fehler ist seit über einem Monat bekannt, aber noch nicht gefixt
Aber hey: ein Geocaching Widget im Emulator ist doch auch was feines, oder nicht?
Versuch 2: Als App
Also doch als “richtige” App umsetzen? Auch das habe ich versucht, aber schnell die Lust verloren. Warum?
- die bada IDE läuft nur unter Windows, selbst in der VirtualBox gibt es Probleme
- erstellte Anwendungen kann man nicht auf x-beliebigen Geräten installieren, ganz im Gegenteil:
- es ist nicht möglich, Anwendungen direkt an Freunde weiter zu geben
- und noch nicht einmal Anwendungen nur für den eigenen Gebrauch zu schreiben, denn es kann immer nur eine selbst-signierte App gleichzeitig installiert sein
- manche Dinge (z.B. Error-Handling) sind bescheuert – und abweichend vom Standard – gelöst
- um Karten (bada map control) in der eigenen Anwendung zu verwenden, muss man sich bei einem externen Anbieter (deCarta) registrieren (die Freischaltung kann auch mal länger dauern) und Lizenzschlüssel beantragen
- nativer Code – so performant er auch sein mag – ist plattformabhängig
- Samsung geht noch einen Schritt weiter und verlangt nicht nur für jeden Prozessor (zwangsläufig), sondern auch für je Bildschirmauflösung eine eigene Version
Okay, ich bin raus. Und ich frage mich, ob andere Entwickler nicht genauso schnell die Lust verlieren, was dem Appstore auch nicht das nötige Leben einhauchen wird…
Nachtrag
Wer sich vom oben geschriebenen immer noch nicht hat abhalten lassen und seine Anwendung zu Ende entwickelt hat, wird dann womöglich an den Samsung “Social Norms” Kriterien scheitern, nach denen nicht mal eine Zeitung erlaubt wäre. Sie sagen unter anderem:
- keine Gewalt in irgendeiner Form
- keine politischen Inhalte ?!
- keine Drogen oder Alkohol
- keine “Nacktheit”
Schade: eine BILD-App könnte demnach nicht erscheinen. Ich wusste nicht, dass die Koreaner noch abgefahrenere Wertvorstellungen haben als unsere amerikanischen Freunde (Apple)…
Was außerdem nicht geht:
- keine eigenen Zahlungssysteme (PayPal-Spenden)
- keine Bannerwerbung (Diskussion hier)
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Samsung bada aus Entwicklersicht: Wie sich das erste bada Handy – das Samsung Wave – im Praxiseinsatz schlägt, hab… http://bit.ly/9yFXcp
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@pixelfahnder Artikel ist doch noch gestern fertig geworden… http://www.bigger.cc/1657/samsung-bada-aus-entwicklersicht/
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Holla!
Dass das Programmieren so viele Probleme bereitet ist ganz schön ärgerlich.
Aber aus purem persönlichen Interesse: Ist die Entwicklung der Geocaching-App noch weiter voran geschritten? Oder war der Frust zu groß? Bis geocaching.com für bada programmiert, werden sicher noch einige Monate vergehen. Wenn überhaupt.
LG
Hey teqeela,
meine Ambitionen habe ich bis auf weiteres eingestellt. Vielleicht mache ich weiter, sobald Samsung endlich den Widget-Bug fixt oder aufhört, Entwickler so zu gängeln… Vor allem letzteres verhindert Geocaching-Anwendungen ambitionierter Hobbyprogrammierer (wie z.B. c:geo oder Columbus für Android).