Am 30. Januar startet BlackBerry 10
Ich möchte mich an dieser Stelle nicht dem Chor der “BlackBerry ist tot.” Sänger anschließen. Der kanadische Hersteller RIM hat seit jeher einiges richtig gemacht. Mit keinem anderen Gerät kann und konnte man so schnell und effizient kommunizieren. Mit wenigen Tastendrücken war alles erledigt, oft bevor man mit anderen mobile Betriebssystemen die entsprechenden Apps gestartet hatte. Man vergleiche dazu auch meinen Artikel von der CeBIT 2011.
Doch das Betriebssystem wirkte einfach altbacken, gerade im Vergleich zu den Full-Touch-Devices der anderen Hersteller. Die App-Auswahl war eher mau, oft teuer und von mäßiger Qualität. Für viele User darüber hinaus ein no-go: die Geräte mussten sich über einen speziellen und in Deutschland in der Regel nur gegen Aufpreis erhältlichen Datentarif (BIS) mit dem Internet verbinden. Ein “normaler” Internet-Tarif, wie in allen Smartphone Tarifen enthalten, reichte zwar zum Surfen, ermöglichte aber keine Kommunikation per E-Mail oder dem Instant Messenger BBM. Während ich der Firmenlösung (BES) ihre Daseinsberechtigung nicht absprechen möchte, werden mir Informatiker wohl zustimmen, dass die BIS-Vorteile Verschlüsselung und Komprimierung heutzutage keine mehr sind: Beim BIS laufen alle Nachrichten über einen zentralen Server (auf den Regierungen auf Wunsch Zugriff erhalten), die Verbindung dorthin ist verschlüsselt. Wenn nun das BIS Rechenzentrum Probleme hat (mehrfach auch in Europa geschehen), kommen gar keine Mails mehr an. Und sicherer als eine SSL-verschlüsselte End-to-End Verbindung zum selbst-gehosteten E-Mail-Server ist das natürlich auch nicht. Das zweite BIS-Verkaufsargument, nämlich die starke Kompression, zieht heutzutage bei schnellen Verbindungen, riesigen Inklusiv-Volumina und/oder Flatrates auch nicht mehr wirklich.
Ende 2010 begann RIM Experimente mit einem neuen Betriebssystem, basierend auf der Firmenübernahme von QNX, Hersteller eines RTOS, das unter anderem in Autos, Kraftwerken & Co zum Einsatz kommt. Erstes Produkt war Tablet OS, installiert auf dem eher mäßig erfolgreichen PlayBook 7″ Tablet. Leider, denn spätestens mit dem Update auf OS 2.0 wurde auch die zuvor schimpfende Presse besänftigt. Aber es war zugegebenermaßen auch nicht sonderlich klug von BlackBerry, das Gerät anfangs “unfertig” ohne eigenständige PIM (E-Mail, Kalender, Kontakte) Apps auszuliefern… Aber nicht nur das: die verfügbaren Apps waren (in Ermangelung von UI Guidelines) oft unschön anzusehen und die Anzahl mit wenigen tausend mehr als überschaubar. Viel schlimmer war: es fehlten die “Großen”.
Zwei Jahre später – Januar 2013
Thorsten Heins (von den Nordamerikanischen Fans oft einfach nur “Thor” genannt) hat vor einem Jahr das Ruder beim RIM übernommen. Der deutsche Manager wirkt an der Firmenspitze sympathisch, vielleicht gerade weil er nicht der geborene (Selbst-)Verkäufer ist. Seine Vorgänger, RIMs Firmengründer Jim Balsillie und Mike Lazaridis wirkten gerade zum Schluss etwas “festgefahren”.
Es kommt BlackBerry 10 und löst alle Vorgänger ab. BlackBerry 10 basiert auf QNX, macht aber vieles besser als Tablet OS und einiges besser als Google und Apple. Als App-Entwickler wurde mir seit Juni 2012 ein Entwicklungs-Gerät (Dev Alpha) zur Verfügung gestellt, mit dem sich etliche Features bereits testen ließen. Eine der von mit eingereichten Apps ist XRMT – eine Fernsteuerung für XBMC.
Ich muss vorweg schicken, dass BlackBerry sich mit BB10 treu bleibt. Schnelle Kommunikation steht weiterhin im Mittelpunkt, denn egal wo man gerade im System steckt: die Nachrichtenzentrale (BlackBerry Hub) ist nie mehr als einen Swipe entfernt:
Sehr schön gelöst ist auch die virtuelle Tastatur. Während 2013 noch mindestens ein Modell mit Hardware-Keyboard folgt, wird das erste Telefon, vermutlich BlackBerry Z10 genannt, ein Full-Touch-Device – völlig ohne Knöpfe auf der Vorderseite – sein. Gerade weil BlackBerry-User aber an ein gutes Schreiberlebnis gewöhnt sind, wurde unter anderem Technologie von TouchType (Hersteller von SwiftKey) eingekauft, die ein schnelles Tippen ermöglicht – auch in mehreren Sprachen gleichzeitig ohne manuelles Umstellen.
Aber auch an den anderen Schrauben wurde mächtig gedreht: so erreicht der (Webkit-basierte) Browser einen Spitzenwert bei den gängigen HTML5 Tests und schlägt bei der Geschwindigkeit zumindest die mobilen Kontrahenten. Die “App World” wurde in “BlackBerry World” umbenannt und soll neben Filme und Musik auch eine erstaunlich hohe Anzahl Apps enthalten. Angesagt sind zum Launch >70.000 Apps, darunter befinden sich 90% der Top-600 Apps anderer Plattformen.
Auch technisch ist man mit dem Z10 auf Höhe der Zeit angekommen: NFC (samt Mobile Payments), LTE, 1,5 GHz Dual-Core CPU, 2GB RAM, per MicroSD erweiterbarer Speicher (16 GB on-board).
Ein schönes (vermutlich gegen irgendwelche NDA-Bestimmungen verstoßendes – siehe die 4x abgeklebte Seriennummer) Video habe ich bei telekom-presse.at gefunden:
Ich bin jedenfalls gespannt, welche Überraschungen RIM nächste Woche aus dem Hut zaubert und natürlich auf die finale Hardware. Sofern die einen Bericht wert ist, lest ihr selbstverständlich hier darüber…





























