Mit ordentlich räumlicher Distanz schreibe ich diesen lange geplanten Artikel zum Studium in Rostock aus dem Urlaub.
Er behandelt, was mich – als gebürtigen Münchner – dazu gebracht hat, ans andere Ende Deutschlands zu ziehen; was mir dort gefällt und was anderswo besser ist! Vielleicht hilft das ja euch bei der Auswahl einer Universität weiter.
Wer die “Über mich” Seite noch nicht gelesen hat: Ich studiere Wirtschaftsinformatik an der Uni Rostock.
Pro
1. Für Studenten vielleicht einer der wichtigsten Punkte überhaupt: Wohnen. In Rostock sind die Mieten sehr günstig und WGs leicht zu finden, da von den insgesamt 200.000 Einwohnern Rostocks etwa 15.000 Studenten sind. Ein Beispiel: Im Ortsteil Evershagen zahlen wir für eine 60qm 3-Zimmer Wohnung warm inkl. Internet- und Telefonflatrate etwa 420 Euro.
2. Auch bei den Bedingungen für Studenten hat man sich sichtlich Mühe gegeben:
So gibt es:
- keine Studiengebühren in Mecklenburg-Vorpommern
- kostenlose Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel (ist im Semesterbeitrag enthalten)
- im Gegensatz zu München beispielsweise verkehren die öffentlichen Verkehrsmittel in Rostock regelmäßig rund um die Uhr (teilweise in Form von Nachtbussen)
- viele Gebäude, die gerade modernisiert oder neu gebaut (Wirtschaftswissenschaften, 2 Mensen, Bibliothek)
- Baustellen für neue Gebäude: z.B. Informatik und Physik
- keine überfüllten Hörsäle (selbst bei den BWLern)
- in allen Uni-Gebäuden (für Studenten kostenloses) WLAN
- ausgezeichnetes Mensa-Essen
3. Die Lage Rostocks mag dem einen oder anderen ebenfalls verlockend erscheinen. MV wirbt auf dem Portal www.studieren-mit-meerwert.de mit “Lernen, wo andere Urlaub machen”, aber auch ich profitiere oft davon, dass das Meer in wenigen Minuten zu erreichen ist. Von unserer Wohnung aus per Fahrrad in etwa 25 Minuten, vom Hauptbahnhof in Rostock mit der S-Bahn in 20 Minuten. Nicht nur für entspanntes Lernen mit Meerrauschen eignet sich die Nähe: auch Strandparties wirken entspannend.
Wer in eine “richtige Stadt” fahren möchte, erreicht die Metropolen Hamburg und Berlin mit der Bahn in etwa 2,5 Stunden. Das Mecklenburg-Vorpommern Ticket der Bahn, das bis einschließlich Hamburg gilt, kostet für fünf Personen 26€, für eine Person 18€. Nach Berlin gibt es eine günstige Privatbahn.
Contra
1. Die Universität schneidet in Hochschulrankings selten als Spitzenreiter ab und ist auch keine “Elite-Universität” wie die Münchner Hochschulen. Außerdem stammen die Gebäude von so manchem Fachbereich aus DDR-Zeiten und sind sanierungsbedürftig. (Anm.: Die Sanierungsarbeiten haben vielerorts schon begonnen)
2. Leider ist Rostock auch einfach weit weg! Der lokale Flughafen Rostock-Laage bedient im Winter nur 3 Destinationen (München, Stuttgart und Köln), im Sommer kommen ein paar Urlaubsziele (Türkei, Griechenland) dazu.
Auch die Bahnanbindung ist suboptimal, da man fast immer in Berlin oder Hamburg umsteigen muss, um in den Genuss einer ICE-Fahrt zu kommen. Hier die beispielhafte Fahrzeit in ein paar Städte:
- München: 8,5 Stunden
- Stuttgart: 8 Stunden
- Frankfurt / Main: 6,5 Stunden
- Köln: 6 Stunden
Tipps
1. Wo wohnen?
a) Eigene Wohnung / WG
Viele Studenten wohnen in der KTV, der Kröpeliner Tor Vorstadt, wo nebst alten Häusern viele Kneipen locken. Wer es günstiger (oder näher zum Meer gelegen haben möchte), kann auch ins ruhige Komponistenviertel, nach Reutershagen oder in die westlich der Warnow gelegenen Neubaugebiete (= Plattenbausiedlungen) ziehen. Evershagen und Lütten Klein (mit großem Einkaufszentrum, Kino, etc.) kann ich hier empfehlen.
Nicht empfehlen kann ich Lichtenhagen, Dierkow und Toitenwinkel.
b) Studentenwohnheim
Halte ich in Rostock für wenig sinnvoll, außer man tut sich schwer, Leute kennen zu lernen. Denn die Mieten sind nicht wesentlich günstiger als bei einer selbst initiierten WG.
2. Welcher Vermieter?
Wer we der beim Studentenwerk (siehe Studentenwohnheim) noch bei privaten Vermietern (KTV) sein Glück gefunden hat, kann sich in Rostock bei den Wohnungsgenossenschaften umsehen. Hier einige WGs mit Wertung:
3. Wo baden?
Der Strand direkt in Warnemünde (beim Leuchtturm und Teehaus) ist nichts für Einheimische. Hier tümmeln sich vor allem Touristen wie die Sardinen am Strand. Einige hundert Meter weiter Richtung Westen am Strand entlang (auf Höhe der Jugendherberge, Bus-Haltestelle “Warnemünde Strand”) findet man einen weniger stark frequentierten Strandabschnitt, wo (neben FKK) auch Grillen erlaubt ist.
Der andere bei Studenten besonders beliebte Strandabschnitt liegt östlich der Warnow-Mündung bei Markgrafenheide.
4. Fortbewegung
Rostock ist flach. Also perfekt, um mit dem Fahrrad erobert zu werden. Sowohl in der S-Bahn als auch in der Straßenbahn können Fahrräder (für Studenten sogar kostenlos) mitgenommen werden.
Hat jemand Lust, rechtzeitig vor Beginn des neuen Semsters im Oktober, seine Universität & Stadt in Form eines Gastartikels hier vorzustellen?